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Nvidia: The Hype is real – die Überbewertung auch


Google Trends zeigt, das Interesse an Nvidia war schon lange nicht mehr so groß wie aktuell:

  • Nvidia gilt als DAS Unternehmen in der Chipindustrie, das mit seinen Chips die Zukunft der KI bestimmen wird

  • Wie sieht die fundamentale Bewertung aus?

  • Analysten heben die Kursziele auf 500 USD an, ist dieser Wert noch gerechtfertigt?

  • Ist die Aktie trotz des aktuellen Kursanstieges noch kaufenswert?



Inhalt der Analyse


Nvidia Corp. (NASDAQ:NVDA) ist uns wohl allen bekannt und Geschichte, Vorstand, Geschäftsmodell, ... könnt ihr euch auch in jeder Aktienanalyse auf jeder anderen Seite ausführlich durchlesen, weshalb wir uns in dieser Analyse auf die wichtigen Dinge konzentrieren. Also eine fundamentale Bewertung mit einer rationalen Investment-These.


Das Geschäftsjahr von Nvidia endet mit 31. Januar, weshalb sich Nvidia bereits im GJ 2024 befindet. Das nächste Quartalsergebnis (Q3 2024) wird am 16.11. erwartet.


Kurz vorweg, Nvidia hat am 26.05. bekannt gegeben Aktien im Wert von 10 Mrd. USD auszugeben. Wir werden diese Wertpapiere kontinuierlich oder zeitverzögert an einen oder mehrere Händler und Vertreter oder direkt an Käufer anbieten und verkaufen – so das Unternehmen. Zum aktuellen Preis würde das eine Verwässerung durch ca. 26 Mio. neuen Aktien bedeuten – aktuell befinden sich 2495,3 Mio. Aktien im Umlauf.


Diese Ausgabe ist meiner Meinung nach das einzig richtige, was man in so einer Situation machen kann. Das Unternehmen investiert stark in die Zukunft und benötigt dafür Geld, Kredite sind teuer geworden und die hohe Bewertung lässt die Aufnahme von noch mehr Kapital zu. Ein gutes Management kauft Aktien zurück, wenn sie deren Meinung nach unterbewertet sind, und gib Aktien aus, wenn sie deren Meinung nach überbewertet sind und Geld gebrauchen könnten.



Highlights Q1 2024

  • Starkes Quartalswachstum durch Rekordumsatz im Bereich Rechenzentren. Der Gesamtumsatz sinkt im Jahresvergleich um 13% auf 7,19 Mrd. USD und liegt damit trotzdem deutlich über der Prognose von 6,50 Mrd. USD. Der Bereich Rechenzentrum stieg um 14% zum Vorjahr auf 4,28 Mrd. USD

  • Rekordumsatz im Rechenzentrum dank des starken weltweiten Wachstums der beschleunigten Rechenplattform, Generative KI sorgte hier für eine deutliche Steigerung der Nachfrage

  • Das starke Quartals-Wachstum im Gaming-Bereich wurde durch den Verkauf von NVIDIA GeForce RTX 40 Series GPUs für Notebooks und Desktops angetrieben


Das Unternehmen


NVIDIA ist ein Pionier im Bereich der beschleunigten Datenverarbeitung und bietet Lösungen für verschiedene rechenintensive Bereiche wie KI, Datenwissenschaft, autonome Fahrzeuge und Metaverse. Die parallele Verarbeitungsfähigkeit der GPUs spielt eine Schlüsselrolle beim Deep Learning und findet Anwendung in Empfehlungssystemen und Sprachmodellen. NVIDIA verfolgt eine Plattformstrategie und investiert stark in Forschung und Entwicklung, um innovative Produkte wie Grafikprozessoren und Netzwerklösungen anzubieten, die in Supercomputern und verschiedenen Branchen eingesetzt werden. NVIDIA mit Sitz in Santa Clara, Kalifornien, wurde 1993 gegründet.



Geschäftsmodell


Die Bereiche unterteilen sich in die Segmente Computer & Networking und die Herstellung von Rechenplattform für Rechenzentren, sowie Grafik, welcher Grafikprozessoren wie GeForce für Spiele und PC´s umfasst.


Data Center - Rechenzentren

Die Computing-Plattform von NVIDIA beschleunigt intensive Workloads in den Bereichen KI, Datenanalyse, Grafik und wissenschaftliches Rechnen. Sie umfasst GPUs, DPUs, Interconnects, Systeme, das CUDA-Programmiermodell, Softwarebibliotheken, SDKs, Frameworks und Services. Die Plattform steigert die Leistung und Energieeffizienz von KI- und HPC-Anwendungen erheblich. NVIDIA arbeitet mit Branchenführern zusammen, bietet GPUs in verschiedenen Systemdesigns an, führt neue Architekturen wie Hopper ein und bietet Softwareunterstützung mit CUDA, NGC und vGPU. Das Unternehmen bietet auch kostenpflichtige Lizenzen für KI- und vGPU-Software an.


Gaming

Die Dominanz von NVIDIA in der Gaming-Branche wird durch PC-Gaming vorangetrieben, das von Faktoren wie hochwertigen Spielen, eSports, sozialer Konnektivität und Game-Streamern angetrieben wird. Die Gaming-Plattformen nutzen leistungsstarke Grafikprozessoren und Software, darunter NVIDIA RTX mit Raytracing und DLSS-Technologie, für realistische Grafiken. Produkte wie GeForce RTX und GTX GPUs, GeForce NOW Cloud Gaming und SHIELD verbessern das Spielerlebnis. Die kürzlich vorgestellte GeForce RTX 40 Serie, die auf der Ada Lovelace Architektur basiert, bietet verbesserte Leistung mit fortschrittlichen RTX und DLSS Technologien.


Professionelle Visualisierung

Nvidia arbeitet mit unabhängigen Softwareanbietern (ISVs) zusammen, um ihre Software für NVIDIA GPUs zu optimieren und den Markt für professionelle Visualisierung zu bedienen. Die GPU-Computing-Plattform verbessert die Produktivität in Design, Fertigung und digitaler Content-Erstellung. Die NVIDIA RTX Plattform ermöglicht Echtzeit-Raytracing, während NVIDIA Omniverse eine Plattform für virtuelle Welten und Zusammenarbeit bietet. VR und AR werden in Unternehmensanwendungen wie virtuellen Autohäusern und chirurgischen Schulungen immer häufiger eingesetzt.


Automotive

NVIDIA bietet eine umfassende Lösung für autonome Fahrzeuge im AV-Markt an. Durch den Einsatz von KI-Technologie und Partnerschaften in der Automobilindustrie ermöglichen sie autonomes Fahren und verbessern die Sicherheit. Die DRIVE Hyperion Plattform vereint leistungsstarke Hardware, Sensoren und modulare Software für Wahrnehmung, Planung und Steuerung. Zusätzlich bieten sie Simulationen und Over-the-Air-Updates an.



Fundamentale Analyse


Analyse der Bilanz

Beginnen wir mit einer übersichtlichen Visualisierung der Bilanz, was kann man auf den ersten Blick erkennen?


Abbildung 1: Visualisierung Bilanz, eigene Darstellung


Hohe Bestände an Cash und kurzfristigen Vermögenswerten sowie ein sehr hoher Anteil an Eigenkapital. Für die Nettofinanzverschuldung ziehen wir die Schuldlast (non-current liabilities und long term liabilities) von den Vermögenswerten (Cash + short term investments) ab. Übrig bleibt eine Nettofinanzverschuldung von -2,6 Mrd. USD. Da hier die Vermögenswerte größer sind als die Schuldlast, ergibt sich eine negative Nettoverschuldung. Um nun für weitere Berechnungen mit dem Enterprise Value rechnen zu können, wird zur aktuellen Marktkapitalisierung die Nettoverschuldung addiert. Die Marktkapitalisierung beträgt aktuell (29.05.23) 963 Mrd. USD. Rechnen wir nun die negativen Schulden hinzu, ergibt sich ein Enterprise Value (EV) von 960 Mrd. USD.


Und hier noch eine Übersicht über die Entwicklung von Eigenkapital, Fremdkapital, Anlagevermögen und Verschuldungsgrad:


Abbildung 2: Bilanzpositionen, eigene Darstellung


Inventory – Lagerbestand

Die hohen Lagerbestände waren eines der vielen Kriterien, die den Tech-Unternehmen im letzten Jahr Probleme bereitet hatten. Durch die Einstellung der Produktion von Mikrochips für Just-in-Time (hier werden die Produkte so hergestellt, dass sie die Nachfrage zur richtigen Zeit decken) wurde auf Just-in-Case (hier wurde einfach produziert, ohne viel darüber nachzudenken, wie viel Bedarf es noch gibt) umgestellt. Dies führte dazu, dass sich die Lager füllten, als die Nachfrage zurückging und die Bestände günstiger verkauft werden mussten als angedacht. In der nächsten Abbildung sehen wir die Veränderung des Lagerbestandes in den vergangenen Quartalen von Nvidia.


Abbildung 3: Lagerbestand, eigene Darstellung


Zu sehen ist auch, dass es bis zum 3. Quartal 2021 keine Aussichten auf Verlangsamung gab. Erst als zum 3. Quartal 2021 die Aussichten für die kommenden Quartale abgestuft wurden, begann die Aktie zu sinken.


Abbildung 4: Tradingview.com


Was interessant ist: Bei unserer Analyse zu Micron Technologies haben wir die Lagerbestände bereits analysiert und eine Verzögerung zwischen den Fundamentaldaten und dem Aktienkurs festgestellt. So erreicht der Aktienkurs sein Tief i. d. R. 6-9 Monate, bevor es mit den Fundamentaldaten wieder bergauf geht. Genau dieses Phänomen können wir rückblickend auch hier erleben, denn im Oktober 2022 erreichte der Kurs sein Tief und 7 Monate später zogen die Fundamentaldaten nach.


Accounts Receivable – Forderungen

Ein weiterer Grund für die Schwäche waren die ausstehenden Forderungen, welche sich von Ende 2020 bis Anfang 2022 fast verdoppelten und nun wieder am Sinken sind. Ausstehende Forderungen entstehen, wenn Nvidia bereits ihre Ware an den Kunden ausgeliefert hat, die Zahlung des Käufers allerdings noch nicht getätigt wurde oder eingegangen ist. Je höher diese also werden, desto schwieriger könnte es für ein Unternehmen sein, seine Liquidität aufrecht zu halten. Denn wenn die Kunden nicht bezahlen, fehlt das Geld irgendwo.


Abbildung 5: Forderungen, eigene Darstellung


Die nächste Abbildung zeigt die Entwicklung von Schulden, Eigenkapital und Cash + Investments, welche seit 2018 alle steigen. Die Eigenkapitalquote beträgt aktuell 55% und ist damit sehr hoch. Der Verschuldungsgrad liegt bei 49% und ist damit sehr niedrig und entspricht sogar dem Kriterium von Warren Buffett, der als Kriterium einen Verschuldungsgrad von unter 50% anstrebt.


Abbildung 6: eigene Darstellung


Bewertung von Multiples, Liquidität und Leverage

Kommen wir nun zu den einzelnen Bereichen. Das Wachstum von Nvidia soll in den nächsten 3 Jahren sehr stark ausfallen, weshalb hier auch alle Kriterien erfüllt sind. Der Spread gibt an, ob das Unternehmen Geld vernichtet und muss daher positiv sein. Grund ist, wenn die Kosten für das Eigenkapital höher sind als der ROCE (Return on Net Assets = also der Ertrag des eingesetzten Kapitals) kann das Unternehmen noch so viel Kapital einsetzen, das Ergebnis ist aber Wertvernichtung!


Abbildung 7: Wachstum, eigene Darstellung


Bewertungstechnisch sieht es bei Nvidia allerdings völlig anders aus. Alle Bewertungskennzahlen und Multiples sind zu hoch, um die gesetzten Kriterien zu erfüllen. Einzig das Umsatz/EBITDA Verhältnis erfüllt sein Kriterium. Auch wenn bei Nvidia sehr viel Zukunftsmusik mit eingepreist ist, die fundamentale Bewertung ist verrückt.


Abbildung 8: Bewertungskennzahlen, eigene Darstellung


Die nächste Abbildung zeigt nochmal die Bewertungsmultiples der letzten fünf Jahre:


Abbildung 9: Multiples, eigene Darstellung


Die Rentabilität von Nvidia ist äußerst zufriedenstellend. Das eingesetzte Kapital wird somit optimal genutzt.


Abbildung 10: Rentabilitätskennzahlen, eigene Darstellung


Die nächste Abbildung zeigt nochmal die Kapitalrenditen ROCE und RONA der letzten fünf Jahre, welche 2023 rückläufig sind:


Abbildung 11: Kapitalrenditen, eigene Darstellung


Auch die Liquidität von Nvidia ist zufriedenstellend. So liegt das Cash Ratio (flüssige Mittel / kurzfristige Verbindlichkeiten) bei 211%, der Vergleichswert liegt bei 10%. Das Quick Ratio ((flüssige Mittel + kurzfristige Forderungen + Wertpapiere des Umlaufvermögens) / kurzfristige Verbindlichkeiten) ist mit 267% ebenfalls weit über dem Kriterium von 100%. Auch das Current Ratio ((flüssige Mittel + kurzfristige Forderungen + Wertpapiere des Umlaufvermögens + Vorräte) / kurzfristige Verbindlichkeiten) ist mit 343% weiter darüber. Zum Schluss betrachten wir noch das Verhältnis der Dividende zum FCF, dieses Verhältnis muss unter 100% liegen. Wäre der Wert über 100%, würde das bedeuten, dass der FCF die Dividendenausschüttung nicht deckt, was kein gutes Zeichen wäre.


Abbildung 12: Liquiditätskennzahlen, eigene Darstellung


Ein interessantes Bild zeichnet sich allerdings ab, wenn wir die drei Kennwerte im Verlauf der letzten fünf Jahre betrachten. Alle drei Liquiditätskennzahlen sind stark am Sinken, zwar sind sie immer noch sehr hoch, doch gilt es dies zu beobachten.


Abbildung 13: Liquidität, eigene Darstellung


Als Nächstes sehen wir uns ein paar weiter Zahlen an, die die positive Situation von Nvidia hervorheben. Wie ihr sehen könnt, erfüllen alle Werte ihre Kriterien. Allerdings müssen wir bei den ausstehenden Aktien erwähnen, dass die Ausgabe von Aktien für 10 Mrd. USD geplant ist, wodurch dieses Kriterium in naher Zukunft nicht mehr erfüllt sein wird. Die Lagerintensität sollte und 20% sein und erreichte den Vergleichswert dieses Quartal wieder.


Abbildung 14: Finanzdaten, eigene Darstellung


Cashflow und Margen

Zum Schluss werfen wir noch einen kurzen Blick auf die Entwicklung des Cashflows, welcher im GJ 2022 übermäßig hoch ausfiel und im letzten Jahr etwas zurückging. Die CAPEX haben sich im Vergleich zu 2022 fast verdoppelt.


Abbildung 15: Cashflow und CAPEX, eigene Darstellung


Auch die Margen gingen im letzten GJ zurück, sollen aber im kommenden Jahr wieder ansteigen. Im 2. Quartal soll die Bruttomarge auf 68,8% steigen.


Abbildung 16: Margen, eigene Darstellung


Discounted Cashflow Berechnung

Den fairen Wert eines Unternehmens kann man mit der Discounted Cashflow (abgezinster Geldfluss) Methode bestimmen. Dabei werden die zukünftigen Cashflows des Unternehmens auf den heutigen Tag abgezinst, wodurch sich der faire Wert des Unternehmens ergibt (stark vereinfacht gesagt).

Die Umsatz- und FCF-Prognosen für Nvidia sind sehr optimistisch, nachfolgend seht ihr unsere Annahmen.


Abbildung 17: Wachstum, eigene Darstellung


Für die Berechnung des fairen Wertes erfolgt über den WACC (weighted average cost of capital = Kosten, die das Unternehmen für ihr eingesetztes Kapital zu zahlen hat). Dieser Wert setzt sich u.a. zusammen aus Eigenkapitalkosten, Eigenkapitalrisikoprämie, Menge an Schulden und Eigenkapital, Fremdkapitalkosten, Beta-Faktor, Steuersatz, dem risikofreien Zinssatz sowie der ewigen Wachstumsrate.

Für die Berechnung des DCF Base Case ergibt sich folgende FCF Prognose:


Abbildung 18: DCF, eigene Darstellung


Um nun den fairen Wert des Unternehmens berechnen zu können, addieren wir zu dem FCF-Barwert die Nettoverschuldung, sowie den Barwert des Restwertes. Der Unternehmenswert, oder auch intrinsische Wert, wird im Anschluss durch die Anzahl der ausstehenden Aktien dividiert, wodurch sich ein fairer Wert pro Aktie von 140 USD ergibt. Der Kurs liegt aktuell bei 380 USD.


Abbildung 19: DCF, eigene Darstellung


Abschließen möchte ich das Kapitel der Bewertung mit dem folgenden Diagramm. Zu sehen ist eine mögliche Entwicklung des Aktienkurses nach unserer Berechnung. In Orange seht ihr die Entwicklung des fairen Wertes und der Fundamentaldaten. In Grün dargestellt, seht ihr eine mögliche durchschnittliche Entwicklung basierend auf den Daten möglicher Bewertungsmultiples in den kommenden Jahren. Wenn man davon ausgeht, dass Nvidia weiterhin sexy bleibt, werden auch die Multiples nicht so schnell runterkommen. Somit könnte sich eine mögliche Rendite von ca. 7% p.a. bis 2028 ergeben, mit dem Wissen, dass sich diese Rendite nicht auf Fundamentaldaten stützt und unglaublich viel Hoffnung und Zukunft eingepreist ist. Wenn man nun die Kursziele der verschiedenen Großbanken hernimmt, welche mittlerweile bei 500 USD liegen, kann man zu dem Schluss kommen, dass dieses Ziel möglich ist, auch wenn die Fundamentaldaten dies aktuell nicht unterstützen.


Abbildung 20: mögliche Kursentwicklung, eigene Darstellung



Marktbetrachtung und Aussichten


Nvidia`s GPUs sind Allzweckbeschleuniger

Die Grafikprozessoren von Nvidia haben sich als vielseitige Beschleuniger erwiesen, die ihre Präsenz im Rechenzentrum weiter ausbauen werden. Der historische Fortschritt in der Halbleitertechnologie, der durch das Gesetz von Gordon Moore beschrieben wird, sah bis vor kurzem eine Verdoppelung der Transistoranzahl auf den Chips alle zwei Jahre. Diese Skalierung wurde jedoch durch Probleme mit der Wärmeableitung bei kleineren Abmessungen behindert, so dass die Taktfrequenzen nach 2005 auf ein Plateau stießen.


Die Einführung von Multicore-Designs bei CPUs und die Nutzung zahlreicher kleiner Kerne bei GPUs haben die parallele Verarbeitung und den Durchsatz maximiert. Nvidia hat GPUs entwickelt, die einen hohen Durchsatz bieten und sich seit 2012 jährlich verdoppelt haben. Die Programmierbarkeit und Leistung der Nvidia-GPUs haben eine entscheidende Rolle bei den Fortschritten im Bereich KI gespielt. Die Einführung von Tensor-Kernen und Transformer Engines hat Nvidia geholfen, den Anforderungen des Trainings großer Sprachmodelle gerecht zu werden. Die Rechenleistung hat sich in den letzten Jahren erheblich verbessert, und Nvidia hat seinen Marktanteil im Rechenzentrum kontinuierlich gesteigert. Es wird erwartet, dass Nvidia seine dominante Position beibehält und weiterhin Marktanteile von CPUs gewinnt. Die Ausgaben der Hyperscaler für Beschleuniger werden voraussichtlich steigen, was Nvidia zugutekommen wird.


Nvidia ist nicht nur ein Chipdesigner

Nvidias wahre Bedeutung liegt in seiner umfassenden Lösung auf der Systemebene, die einen ganzheitlichen Ansatz für Hardware und Software zur Beschleunigung von Berechnungen verfolgt. In den letzten zehn Jahren hat Nvidia erhebliche Investitionen in Forschung und Entwicklung getätigt und die General-Purpose Graphics Processing Units (GPGPUs) kontinuierlich weiterentwickelt. Durch Verbesserungen in Rechenleistung, Speicherkapazität und Speicherbandbreite sind GPUs zu den wichtigsten Arbeitstieren geworden, die das exponentielle Wachstum von Sprachmodellen wie GPT antreiben.

Nvidia hat auch Engpässe beseitigt und die Verbindung zwischen CPUs und GPUs durch die NVLink-Fabric verbessert. Die Übernahme von Mellanox ermöglichte zudem eine nahtlose System-zu-System-Kommunikation. Nvidia schuf die CUDA-Plattform, eine einheitliche Architekturebene, die über alle Generationen von Grafikprozessoren hinweg konsistent ist. CUDA dient als umfassende Softwarelösung für Entwickler und erleichtert die Entwicklung von KI- und maschinellen Lernsystemen.


Die Verwaltung des Daten-Workflows und die Umstellungskosten sind entscheidende Faktoren bei der Implementierung von KI in Unternehmen. Nvidia hat kundenspezifische beschleunigte Bibliotheken, Frameworks, SDKs und einen umfassenden Kompilierungs-Stack entwickelt, die auf der CUDA-Plattform basieren. Mit einem robusten Ökosystem von vier Millionen Entwicklern hat Nvidia einen strukturellen Wettbewerbsvorteil geschaffen.


Die CUDA-Plattform bleibt ein starker Treiber für GPU-Leistungsverbesserungen und erhöht den durchschnittlichen Verkaufspreis. In einer Branche, die sich vom Mooreschen Gesetz wegbewegt, hat Nvidia Engpässe beseitigt und sich auf die Lösung von Problemen durch das Amdahlsche Gesetz konzentriert. Nvidia hat seine Position als führender Anbieter von GPUs für den Einsatz in Rechenzentren gefestigt und wird voraussichtlich weiterhin eine wichtige Rolle bei der Beschleunigung von Berechnungen spielen.


Inferenz-Workloads

Echtzeit-Inferenz ist in der Produktion entscheidend, während die Schulung in der Regel als Stapelverarbeitung durchgeführt wird. Die Kosten für die Inferenz können bis zu neunmal höher sein als die Kosten für die Schulung. NVDA stellte auf der GTC 2023 optimierte Inferenzlösungen vor. GPUs bieten ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis bei großen Sprachmodellen und domänenübergreifenden Anwendungsfällen. Der Leistungs-/Watt-Vorteil von NVDA ist nachhaltig und ermöglicht Energieeinsparungen.


Nvidia als Betriebssystemschicht

NVDA bietet vortrainierte KI-Grundmodelle wie Nemo, Bio-Nemo und Picasso an und hat die DGX Cloud entwickelt, die die Infrastruktur großer Cloud-Anbieter nutzt. Das AI Operating System von NVDA unterstützt Unternehmen bei der Implementierung von AI/M-Technologien und basiert auf CUDA als Low-Level-Programmierschicht. Es umfasst vortrainierte Modelle und eine umfassende Datenmanagementlösung. Zu den Funktionen gehören die Integration mit TensorFlow/PyTorch-Workloads, Basis-/Flottenbefehle für Edge-/Verteilungs-Workloads und domänenspezifische Toolkits. NVDA bietet eine Komplettlösung, die als Betriebssystemschicht für Unternehmen dient und potenzielle Monetarisierungsmöglichkeiten auf schätzungsweise 50 Millionen Unternehmensservern weltweit eröffnet.


Comeback in der Gamingbranche

NVDA erwartet einen Aufschwung in seinen Gaming-Einnahmen und prognostiziert eine potenzielle Quartalsrate von 2,5 Mrd. USD. Das Unternehmen hat außerdem seine Design-Pipeline für den Automobilmarkt auf 14 Mrd. USD erhöht und erwartet langfristiges nachhaltiges Wachstum durch Partnerschaften mit Jaguar Land Rover und Mercedes.



Investment Thesis


Im Folgenden stelle ich eine optimistische aber zugleich auch rationale Thesen auf.


NVIDIA verzeichnet aktuell ein schnelles Umsatzwachstum, da es sich als führender Anbieter von maßgeschneiderten Chips für die Verarbeitung von künstlicher Intelligenz etabliert hat. Die Kernkompetenz von NVIDIA liegt im Bereich des beschleunigten Rechnens, bei dem für bestimmte Aufgaben andere Prozessoren als CPUs eingesetzt werden. Diese Art der Datenverarbeitung ist für den Aufbau von KI-Systemen unerlässlich. NVIDIA hat eine dominante Position auf dem Markt für GPUs in Unternehmen, mit einem Anteil von 91,4 %, wobei AMD der einzige bedeutende Konkurrent ist.


GPUs werden auch in der Unterhaltungselektronik zunehmend präsent, angetrieben durch den Aufstieg von künstlicher Intelligenz und spezialisierten KI-Co-Prozessoren. Angesichts der wachsenden Verbreitung von künstlicher Intelligenz wird erwartet, dass die Nachfrage nach GPUs in PCs weiter steigen wird.


Aufgrund der aktuellen Preise und erwarteten Wachstumsraten könnte Nvidia in etwa einem Jahrzehnt in seine aktuelle Bewertung hineinwachse. Aktuell ist diese Annahme allerdings eher weniger plausibel, denn sollte Nvidia innerhalb der nächsten 10 Jahre faire Multiples erreichen, dürfte der Kurs bis dahin nicht recht viel weiter steigen. Hinzu kommt, wenn das Unternehmen weiterhin gute Ergebnisse liefert und die hohen Wachstumserwartungen erfüllt oder übertrifft, könnte die Aktie einen gesunden Wachstumsaufschlag beibehalten, was ein hineinwachsen in die Bewertung weniger realistisch macht. Zusätzlich darf man die Auswirkungen makroökonomischer Ereignisse nicht außer Acht lassen.


Die Antwort des CEO Jensen Huang an die Bären war, dass Nvidia unbestreitbar der Marktführer im Bereich künstliche Intelligenz (KI) ist und das Vertrauen von Cloud-Service-Providern (CSPs), Internetunternehmen und anderen Unternehmen genießt. Das Unternehmen ist gut positioniert, da weder AMD noch Intel in der Lage sind, Nvidias Full-Stack-Ökosystem zu beeinträchtigen. Nvidia ist bereit, beim Aufbau von generativen KI-Infrastrukturen weltweit zu helfen. Der CEO prognostiziert ein beeindruckendes Umsatzwachstum von etwa 64 % im kommenden Quartal im Vergleich zum Vorjahr, angeführt von der führenden Position von Nvidia bei Rechenzentrums-GPUs. Die Nachfrage der Cloud-Service-Provider wird als robust beschrieben, und das Unternehmen hat langfristige Sichtbarkeit für die Nachfrage nach Rechenzentren.


Nvidia hat seine Lieferkettenresilienz durch Großaufträge an Zulieferer gestärkt. Dies hat z. B. die Prognosen für das Umsatzwachstum von Taiwan Semiconductor entschärft und die Auslastung von TSMCs 5-nm-Prozessen erhöht. Das Unternehmen hat auch die Auslastung seiner 6-nm- und 7-nm-Prozesse erhöht.


Obwohl die Konkurrenz nicht schläft, ist Nvidia zuversichtlich, dass es dank seines Vorsprungs kostengünstige Lösungen liefern kann. Das Unternehmen sieht erhebliche Möglichkeiten, seine installierte Basis von Rechenzentren zu erweitern und rechnet mit steigenden Ausgaben für GPUs aufgrund der intensiveren Nutzung generativer KI.

Aufgrund der aktuellen Bewertung würde ich Nvidia zum aktuellen Kurs nicht kaufen und es könnte Sinn machen, ein Investment schrittweise zu reduzieren und für einen Einstieg oder Nachkauf auf einen möglichen Rücksetzer zu warten. Es würde mich nicht überraschen, wenn wir im nächsten halben Jahr einen Rückgang von 20 bis 30% sehen.


In den vergangenen Jahren haben wir schon öfter Unternehmen mit einer derart fast absurden Bewertung gesehen. Das KGV von Amazon bewegt sich seit 2018 zwischen 50 und 150 und das KUV zwischen 2 und 5. Bei Tesla ist es ähnlich, KGV zwischen 30 und 110 und KUV zwischen 3 und 10 seit 2018. Mir ist klar, dass man ein Unternehmen aus diesem Bereich anders bewerten muss und auch, dass Nvidia in den nächsten Jahren kein KGV von 10 erreichen wird, dennoch liegt das aktuelle KUV von Nvidia bei 36 und das KGV bei 220. Meiner Meinung nach rechtfertigen selbst die Zukunftsaussichten von Nvidia solch einen Premiumaufschlag nicht.


Der Ausblick für das 2. Quartal gibt Schub

11 Mrd. USD Umsatz prognostiziert Nvidia für das 2. Quartal und erwartet, dass das Wachstum im Quartalsvergleich größtenteils von Data Center getrieben wird, was einen steilen Anstieg der Nachfrage im Zusammenhang mit generativer KI und großen Sprachmodellen widerspiegelt.



Fazit


Nvidia ist ein spannendes und zukunftsträchtiges Unternehmen, mit einer hohen Bewertung, welches seinen Konkurrenten in sehr vielen, wenn nicht allen Bereichen weit voraus ist. Wie wir bei unserer Analyse zu Micron schon festgestellt haben, spielen Wirtschaftszyklen eine große Rolle, anhand dieser man auch seine Investitionen timen kann. Für fundamentale Investoren ist Nvidia ein Rätsel, wenn man allerdings Tech-Werte der letzten paar Jahre als Vergleich hernimmt, ist eine solche Bewertung nicht mehr so weit hergeholt. Nvidia Investoren preisen sehr viel Zukunftsmusik ein und sollten die Erwartungen nicht jedes Mal neu erfüllt oder übertroffen werden, könnte die Reaktion in die Gegenrichtung deutlich spürbar werden.


Abbildung 21: Bewertungsübersicht, eigene Darstellung




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